Peter
Bochynek stellt sich nicht mehr zur Wahl
von Ralf Tiemann IKZ 29.11.2011

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Kinderlobby will sich Peter Bochynek weiter für Kinder einsetzen. Foto: Michael May
Iserlohn. Stein des Anstoßes war ein Bolzplatz in der Nachbarschaft. Peter Bochynek konnte nicht so recht verstehen, dass sich die Anwohner über die spielenden Kinder aufregten und eine Unterschriftenaktion gegen den Bolzplatz ins Leben riefen. Vor allem konnte er nicht begreifen, in welch scharfem und aggressivem Ton die Älteren mit den Kindern umsprangen. „Es kann nicht sein, dass die Erwachsenen immer Recht bekommen“, war die erste Reaktion des damals frisch Pensionierten. „Und das war im Grunde der Beginn meiner Lobbyarbeit für die Kinder“, sagt Peter Bochynek rückblickend.
Verein wählt heute neuen Vorstand
Heute Abend endet diese Arbeit, zumindest als Vorsitzender der „Kinderlobby“. Der Verein wählt einen neuen Vorstand, und der 76-Jährige wird sich nach elf Jahren an der Spitze nicht wieder zur Wahl stellen. Die Zeit sei reif für einen Wechsel, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung – zum einen, weil er aufhören möchte, bevor die Kräfte für ein solches Amt nachlassen, zum anderen, weil sich eine Konstellation mit seinem Wunsch-Nachfolger Karl-Heinz Gagelmann ergeben habe, die einen echten Neuansatz mit frischem Schwung und Ideen verspreche.
Natürlich waren dem Familienvater und Leiter der Fachschule Sozialpädagogik an der Hansaallee das Kinder schon immer wichtig. „Das liegt wohl an meinen eigenen Erfahrungen“, vermutet er. Denn obwohl er im und nach dem Krieg denkbar schlechte Voraussetzungen hatte, habe er immer Menschen getroffen, die ihn unterstützten. Diese positiven Erfahrungen wollte er weiter geben, und diese Erfahrungen haben auch sein persönliches Bekenntnis geprägt. Das lautet: Kinder müssen sich willkommen fühlen und spüren, dass das Leben lebenswert ist. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie so viel Sicherheit gewinnen, dass sie zu Menschenfreunden werden und gegen Fremdenfeindlichkeit gefeit sind.
1999, rund um die Diskussionen um den Bolzplatz, wurde aus dem Bekenntnis pro Kinder aber erst ein handfestes Engagement und daran anschließend auch das erklärte Ziel, den Problemen nicht mehr nachzulaufen, sondern vorbeugend zu wirken und in Iserlohn grundsätzlich Lebensbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, dass sich alle Kinder gesund entwickeln können – und zwar nicht nur körperlich und geistig, sondern auch seelisch.
Viel Unterstützung durchBürgermeister Müller
Eine Vereinsgründung stand da aber noch nicht zur Debatte. Den Anstoß zu den Aktionen gab die damals sehr aktive Stadtschulpflegschaft. Gewalt auf Schulhöfen war das erste Thema, ein Theater-Aktionstag gegen Gewalt eine erste Aktion. Außerdem lud man Kinderbeauftragte aus anderen Städten für Vorträge nach Iserlohn ein, was gerade bei dem damaligen Bürgermeister Klaus Müller auf fruchtbaren Boden fiel. Dass er 2001 die erste Iserlohner Kinder- und Jugendbeauftragte einstellte und eine Dienstanweisung herausgab, die vorsah, bei allen Entscheidungen und Planungen die Belange der Kinder in besonderer Weise zu berücksichtigen, sei auch ein Erfolg der beginnenden Lobby-Arbeit gewesen.Im selben Jahr gründete sich dann auch die Kinderlobby als Verein. Die Liste der Projekte, die schon in den Anfängen angegangen wurden ist lang: bessere Spielplatzausstattungen, Duldung von Kinderlärm, preiswerte nichtalkoholische Getränke bei Festen, Kindersitze in Taxen, ein Beratungsführer für Eltern, Schülerbefragungen zur Einschätzung der eigenen Schule und und und. 2003 war es erneut Bürgermeister Müller, der mit einer 6000-Euro-Spende zu seinem 60. Geburtstag den Grundstein für größere, dauerhafte und kostenintensive Projekte legte. Auf Anregung der Kinderärztin Dr. Kamp, die ebenfalls seit der Gründung zum Vereinsvorstand gehört, finanziert die Kinderlobby seitdem Heilpädagoginnen an inzwischen zwölf Iserlohner Schulen. Später kam in Kooperation mit dem ehrenamtlichen Dienst „Continue“ die „Neue Brücke“ hinzu, wo sozial schwache Familien preiswerte Schulmaterialien bekommen können. Eine flexible Sprachförderung für Migrantenkinder mit ausgebildeten Sprachlehrern ist das neueste Projekt.
Neben konkreten Hilfen war und ist es aber auch immer das Anliegen der Kinderlobby, Diskussionen anzustoßen. Dazu gehört beispielsweise ein kritischer Blick auf die U-3-Betreuung in den Kitas, oder das Thema Geräuschdämmung in Schulen und Kindergärten. Und das möchte Peter Bochynek natürlich auch nach seinem heutigen Ausstieg aus dem Kinderlobby-Vorstand fortführen. „Vielleicht kann ich vieles sogar deutlicher sagen, wenn ich die Kinderlobby nicht mehr repräsentiere“, sagt er. Und er wird natürlich weiter für die Belange der Kinder werben: „Jeder kann dort, wo er ist Lobby für Kinder sein.“